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Die Schweiz braucht globale Talente. Sie braucht aber auch bessere Orientierung.

  • 2. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Wir sind auf Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland angewiesen.

Gleichzeitig begrenzen wir, wie viele Menschen in der Schweiz Medizin studieren können.


Darüber lohnt es sich nachzudenken.


Ich bin Schweizer.


Ich bin mit diesem System aufgewachsen. Vieles von dem, was es ausmacht, erscheint uns ganz selbstverständlich. Fast unsichtbar.


Die Schweiz ist ein kleines Land.

Deshalb begrenzen wir bewusst den Zugang zu bestimmten Berufen. Die Medizin ist das bekannteste Beispiel.

Numerus Clausus.

Regulierte Studienplätze.

Begrenzte Ausbildungskapazitäten.


Diese Entscheidungen wurden getroffen, weil wir Qualität und ein gut steuerbares System schätzen.

Die Folge ist jedoch, dass wir nicht alle Fachkräfte selbst ausbilden können, die wir benötigen.


Deshalb gewinnen wir Talente aus dem Ausland.

Ärztinnen und Ärzte.

Ingenieurinnen und Ingenieure.

Forschende.

IT-Fachkräfte.

Und viele weitere hochqualifizierte Berufsleute.


Wir brauchen sie.

Und viele von ihnen möchten sich bewusst ein Leben in der Schweiz aufbauen.


Genau hier beginnt die eigentliche Herausforderung.

Wir holen Menschen ins Land, um unsere Wirtschaft zu stärken.

Gleichzeitig erwarten wir oft stillschweigend, dass sie ein System sofort verstehen, das selbst viele Schweizerinnen und Schweizer vor allem deshalb kennen, weil sie darin aufgewachsen sind.

Föderalismus.

Kantonale Unterschiede.

Gemeindespezifische Besonderheiten.

Versicherungslogik.

Steuerlogik.

Behördliche Abläufe.

Für uns wirkt vieles selbstverständlich.

Für Menschen von aussen oft undurchsichtig.


Und wenn Unsicherheit auf fehlenden Kontext trifft, passiert etwas ganz Natürliches.

Menschen orientieren sich an dem, was ihnen vertraut ist.

An internationalen Netzwerken.

An englischsprachigen Gemeinschaften.

An Menschen mit ähnlichen Erfahrungen.

Später sprechen wir über Integration.


Dabei ist diese Nähe zur Expat-Community oft keine Frage mangelnden Interesses.

Sondern eine Folge fehlender Orientierung.

Wenn man die Spielregeln nicht kennt, hält man sich an das, was Sicherheit gibt.

Aus Schweizer Sicht kann das leicht wie mangelndes Interesse an unserer Kultur wirken.


Dabei entsteht häufig einfach ein Missverständnis.

Wir sollten die Orientierung in einem neuen Land genauso ernst nehmen wie das Onboarding in einem Unternehmen.


Wenn jemand in einem Schweizer Unternehmen anfängt, erklären wir Prozesse.

Wir dokumentieren Erwartungen.

Wir begleiten den Einstieg.

Wenn jedoch jemand sein ganzes Leben in die Schweiz verlegt, gehen wir oft davon aus, dass sich alles von selbst erschliesst.

Klarheit ist keine Schwäche.

Zu erklären, wie unser System funktioniert, nimmt unserer Kultur nichts weg.

Im Gegenteil.


Menschen respektieren, was sie verstehen.


Die Schweiz braucht globale Talente.

Diese Talente brauchen Zugang zu einem stabilen und verständlichen System.

Erst wenn beides zusammenkommt, entsteht echte Integration.

Darum geht es nicht um Politik.

Sondern um gutes Zusammenspiel.


Wenn wir von internationalen Fachkräften Spitzenleistungen erwarten, sollten wir ihnen auch einen erstklassigen Einstieg in unser Land ermöglichen.


Jhon Gottlander

 
 

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